Im ZEIT Magazin vom 30.10.2012 beschäftigt sich das
Titelthema mit der Hausfrau von heute. Jetzt mag sich der ein oder andere an
Werbeslogans aus den 60er Jahren erinnert fühlen wo „die Hausfrau von heute“
unbedingt eine Waschmaschine brauchte, um glücklich zu sein. Damals war es üblich, dass Frauen zu Hause blieben und nicht arbeiteten. Dies war
auch die Zeit in der die Frauen gegen der Rolle, die ihnen von einer patriarchalen
Gesellschaft auferlegt wurde, angingen und sie mehr forderten, als Mann, Kinder
und Haushalt.
Diese Zeiten scheinen uns Frauen - die jetzt in den 20igern
sind - lange vergangen. Unser Weltbild ist geprägt von arbeitenden Müttern, von
alleinerziehenden, arbeitenden Müttern, aber nicht von Frauen, die zu Hause
bleiben um ihr Leben ausschließlich der Familie zu widmen. Viele Frauen würden
diese Rolle sicherlich auch als „unfeministisch“ und rückwärtsgewandt
bezeichnen und können sich diese Lebensweise für sich selbst nicht vorstellen.
Doch der Schein, dass die Zeiten der Hausfrauen schon lange
her sind, trügt: Erst 1977 wurde der Paragraph 1356 aus dem Bürgerlichen
Gesetzbuch gestrichen, in dem alle Frauen zu Hausfrauen erklärt wurden: „Die
Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt,
erwerbstätig zu sein, soweit dies mit den Pflichten in Ehe und Familie
vereinbar ist.“ Schon der Hinweis auf die „Pflichten in der Ehe und Familie“
erschreckt jede feministisch eingestellte Frau. „Wie kann das Gesetz die
Erwerbstätigkeit einschränken?“, fragt man sich. Unter heutigen Gesetzen der
Gleichberechtigung sind solche Vorschriften keineswegs vorstellbar. Jeder ist
selbst dafür verantwortlich, wie er oder sie Familie und Arbeit unter einen Hut
bringt und die Frau soll gleichberechtigt zum Mann behandelt werden. Laut
Gesetz macht es keinen Unterschied, ob Mann und Frau arbeiten gehen oder einer
von beiden zu Hause bleibt. So ist es nicht mehr ausschließlich an der Frau,
sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern, auch Männer haben die
Möglichkeit Elternzeit zu nehmen oder können ihren Job an den Nagel hängen und
Hausmann werden.
Doch wird dieses Modell denn gelebt? In der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Statistikreihe Demos (2005) heißt es: „Im Jahr 2000 liegt [der] Anteil [an Hausmännern] um ein Prozent (1,2%)“. Und auch wenn man sich im Bekanntenkreis umschaut sieht man - 12 Jahre später -, dass sich diese Zahl kaum geändert haben kann. Männer, die nach der Geburt in Elternzeit gehen, gibt es eigentlich nicht. Frauen hingegen sind schnell in der Rolle, da sie bereits in der Schwangerschaft nicht mehr arbeiten und direkt danach Mutterschutz beantragen.
Doch wird dieses Modell denn gelebt? In der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Statistikreihe Demos (2005) heißt es: „Im Jahr 2000 liegt [der] Anteil [an Hausmännern] um ein Prozent (1,2%)“. Und auch wenn man sich im Bekanntenkreis umschaut sieht man - 12 Jahre später -, dass sich diese Zahl kaum geändert haben kann. Männer, die nach der Geburt in Elternzeit gehen, gibt es eigentlich nicht. Frauen hingegen sind schnell in der Rolle, da sie bereits in der Schwangerschaft nicht mehr arbeiten und direkt danach Mutterschutz beantragen.
Auch im 21. Jahrhundert herrscht immer noch die Ansicht,
dass Frauen von Natur aus fürsorglich sind und sich allein deswegen gerne um
Kindererziehung und Haushalt kümmern. Männern wird dabei das Gegenteil
unterstellt – sie haben kein „Nestbau-Gen“, sie wollen raus in die Welt und
sich dort als „Ernährer“ beweisen. Die ganzen Steinzeit-Vergleiche á la Mario
Barth sind in der breiten Gesellschaft vertretene Ansichten, von denen man sich
selbst manchmal schwer frei sprechen kann. Schubladendenken darüber, wie die
Rolle der Frau in der Familie zu sein hat, exisitert immer noch.
Jedoch sollte man nicht davon ausgehen, dass sich seit den
60igern nichts verändert hat und die ganze Feminismus-Bewegung keinen Erfolg
brachte. So sank der Anteil an Frauen, die nicht erwerbstätig sind und von
Einkünften Angehöriger leben, laut dem Amt für Statisitik von 19,6% im Jahr
2001 auf 13,8 Prozent (2012). Auch sehen sich laut eines Gutachtens des
Bundesfamilienministeriums weniger Frauen als „haushaltsorientiert“. Das
Gutachten hält aber auch fest, dass sich kein Wandel von der Rolle der Frau als
Hausfrau zur Vollerwerbstätigen vollzogen hat. Es lässt sich statistisch
belegen, dass Frauen mit Familien heut zu Tage eher auf eine Teilzeittätigkeit
zurückgreifen.
Das bedeutet, dass sich die Mutter von Heute nur ungerne als
Hausfrau sieht. Diese Rolle haben ihre Mütter oder Großmütter eingenommen, doch
das waren halt „andere Zeiten“.
Auch in der Werbung ist es unvorstellbar, dass eine Hausfrau als solche angesprochen wird. Nicht berufstätige Mütter sprechen ungerne von sich als Hausfrauen, die vom Einkommen ihres Mannes abhängig sind.
Mit der Teilzeittätigkeit heben sich die heutigen Mütter, von ihren eigenen ab. Der Teilzeitjob hat auch einen symbolischen Charakter. Dass das geringere Einkommen immer noch finanziell vom Partner abhängig macht, wird dabei gerne außer Acht gelassen.
Auch in der Werbung ist es unvorstellbar, dass eine Hausfrau als solche angesprochen wird. Nicht berufstätige Mütter sprechen ungerne von sich als Hausfrauen, die vom Einkommen ihres Mannes abhängig sind.
Mit der Teilzeittätigkeit heben sich die heutigen Mütter, von ihren eigenen ab. Der Teilzeitjob hat auch einen symbolischen Charakter. Dass das geringere Einkommen immer noch finanziell vom Partner abhängig macht, wird dabei gerne außer Acht gelassen.
Die Problematik der Abhängigkeit wird mit den staatlichen
Regelungen noch zusätzlich verstärkt. Das Ehegattensplitting – übrigens ein
Relikt aus der Nazizeit – fördert ungleiche Einkommensverhältnisse: Warum
sollte die Frau voll arbeiten, wenn dann eh der Großteil für Steuern drauf
geht? Und auch das von der Regierung angestrebte Betreuungsgeld fördert, dass
Mütter zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu erziehen.
Nun könnte man argumentieren, dass ja auch der Mann teilzeit arbeiten, oder zu Hause bleiben könnte, jedoch greift hier wieder das alte Rollenbild.
Zudem haben es Männer in der Geschäftswelt immer noch leichter beruflich Aufzusteigen und verdienen durchschnittlich mehr, als Frauen. Warum sollte ein Mann mit einer Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere seinen Job für die Familie aufgeben, wenn die Frau sich für den selben Erfolg viel mehr und wahrscheinlich auch länger durchbeißen muss?
Nun könnte man argumentieren, dass ja auch der Mann teilzeit arbeiten, oder zu Hause bleiben könnte, jedoch greift hier wieder das alte Rollenbild.
Zudem haben es Männer in der Geschäftswelt immer noch leichter beruflich Aufzusteigen und verdienen durchschnittlich mehr, als Frauen. Warum sollte ein Mann mit einer Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere seinen Job für die Familie aufgeben, wenn die Frau sich für den selben Erfolg viel mehr und wahrscheinlich auch länger durchbeißen muss?
Zudem sind Männer, die sich für die Familie zur
Teilzeittätigkeit oder gar zur Erwerbslosigkeit entschließen, gesellschaftlich
nicht sonderlich anerkannt. Sie werden dann gerne als „Lebenskünstler“
bezeichnet und von anderen Männern (und auch Frauen) belächelt. Ein Mann, der
sich für die Kindererziehung und gegen eine Vollzeittätigkeit entscheidet, hat
es deutlich schwerer, als eine Frau.
Diese ganzen Mechanismen findet man bei den meisten jungen
Familien in Deutschland. Frühere Frauengenerationen erkämpften Unabhängigkeit,
die von den Müttern heute – wie ihre Teilzeitjobs – eben nur zum Teil eingefordert
wird. Zwar haben die Frauen ein eigenes Einkommen, doch dies ist durch die
geringere Stundenzahl natürlich kleiner. Wenn die Kinder irgendwann größer sind
und die Mutter wieder voll in ihren Beruf einsteigt, ist sie dem Mann einige
Stufen auf der Karriereleiter hinterher und wird es auch schwerer haben diese
weiter zu erklimmen. Dies führt zusätzlich zu einem geschmälerten Einkommen der
Frau. Die Abhängigkeit und die Ungleichheit der Finanzen bestehen somit auch
ohne das frühere Hausfrauen-Modell. Nur haben Frauen seit 2008 mit der Reform
des Unterhaltsgesetzes im Falle einer Scheidung auch keinen Anspruch mehr auf
Unterhalt vom Mann. Die ganze Aufopferung und Aufgabe eigener Pläne bringt dann
wenig.
Doch was ist denn das richtige, das feministische
Lebensmodell? Sollte die Frau darauf bestehen Vollzeit erwerbstätig zu sein?
Solche Entscheidungen muss jedes Paar individuell für sich entscheiden.
Vielleicht ist es ja auch so, dass die Frau lieber Hausfrau sein möchte – ohne
dabei antifeministische Einstellungen zu vertreten. Einfach nur, weil sie sich
diese Lebensweise für sich gut vorstellen kann. Auch gibt es Frauen, die zu
Gunsten ihrer Familie gerne eine Teilzeitarbeit übernehmen, doch diese beiden
Modelle erzeugen eben auch eine Abhängigkeit vom Einkommen des Partners. Die
Ungleichheit der Geschlechter zeichnet sich dabei daran ab, dass es eben so gut
wie nie die Männer sind, die sich in solch eine finanzielle Abhängigkeit
begeben. Die Ansichten, die immer noch in der Gesellschaft herrschen führen
zudem dazu, dass es weiterhin die Frauen zum größeren Teil vom Partner abhägig
sind. Auch wenn sich eine Mutter entscheidet ihrer Karriere nachzugehen, wird
von ihr mehr erwartet, als von einem Vater, der im Berufsleben seinen Weg
macht. Die „Working Mom“ als die perfekte Frau, die Karriere und Familie
spielend hinbekommt ist ein Bild, das gerne forciert wird. Leider ist dies für
jede Frau, die nicht so viel verdient, dass sie sich Babysitter und Nannys für
24 Stunden am Tag leisten kann, eine wirklich schwere, kaum zu bewältigende
Aufgabe.
Daran sieht man, dass es als Mutter eigentlich egal ist,
welches Lebensmodell man wählt, man steht immer unter dem Druck der
Gesellschaft und dem Frauenbild, das derzeit exisitiert. In Zeiten des
Individualismus müssen wir jedoch davon Abstand nehmen und feststellen, dass
jeder für sich entscheiden sollte, welches Lebensmodell er oder sie wählt. Die
Verteilung der Rollen in einer Partnerschaft müssen die beiden Eltern
miteinander aushandeln. Dabei sollte aber auch die finanzielle Abhängigkeit
berücksichtigt werden und jeder für sich eine Lösung finden. Der Staat schreibt
den Frauen nicht mehr vor, dass sie den Haushalt führen sollen, doch er schützt
den finanziell Abhängigen im Falle einer Scheidung auch nicht mehr durch eine
Unterhaltszahlungspflicht. Der Individualismus bedeutet eben auch, dass sich
jeder um sich selbst kümmern muss oder einen wasserdichten Ehevertrag benötigt.
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